Küsten

Ungestüm wirft das Meer seine Wellen an die Küste, Luft und Wasser werden Eins, blasen als Nebel über die Klippen, steigen als Wolken hinauf in die Berghänge, wo sie von Wäldern festgehalten werden, bis sie ihren Schauer ergossen haben. Es sind die kühlen Regenwälder des Westens der Insel.
Es regnet hier beinahe immer, so auch auf unserem Weg hinunter zum Meer. Nach einer langen Fahrt durch den dichten Dschungel erreichten wir endlich eine kleine Ansiedlung und ein Cafe um uns zu verpflegen.
Die Küstenstrasse gab nur selten einen Blick frei auf eine Bucht oder ein Stück Strand, der dann einsam dalag, gesäumt von hochaufragenden Kiefern und Farnkraut. So setzen wir unsere Reise durch diese wilde Urlandschaft eine Weile fort, bis wird wieder in einer Ortschaft eintrafen, wo wir eine Unterkunft für die Nacht fanden.

Am Morgen darauf hatte der Regen aufgehört. Wir wanderten durch den üppig grünen Wald, vorbei an dunklen Seen und Bachläufen, eine Anhöhe gab den Blick frei auf einen blauen Gletscher der sich über einen Bergsattel in Tal hinunter zwängt und vor sich ein weites Kiesbett geschaffen hat.

Die Küste rückte zunehmend näher. Hohe Klippen und zerklüftete Felsen ragten ins Meer und boten den Fluten die Stirn. Von weit aussen, in breiten Abschnitten rollten schäumend die Wellen ans Land.
Unterdessen hatten uns die Mücken ziemlich zugesetzt. So erlaubten uns diese und die wiederkehrenden Regenschauer nicht, auf die Veranda unserer Unterkunft zu sitzen. Stattdessen begaben wir uns am Abend in das Pub einen Kilometer weiter, tranken ein Bier und spielten eine Runde Billard.

Einige Stunden nach Sonnenaufgang und einem Strandspaziergang schnappten wir uns zwei Kayaks und paddelten einen Flusslauf herauf in den Dschungel hinein. Was als breite Mündung began, wurde ein immer schmalerer Fluss mit bewaldeter Böschung die beidseitig bald steil anstieg, bald schroffe Felsen zeigt.
Wir drangen einige Kilometer ein in diesen Urwald, bis das Wasser so seicht wurde, dass wir die Kayaks mehr zogen und schoben als fuhren.

Uns verblieb noch die Fahrt in den Norden der Insel. Dazu mussten wir die nordwestliche Landspitze durchqueren. Eine mehrstündige Fahrt durchs Niemandsland, dann zeigten sich die ersten Bauernhöfe und Plantagen wieder. Noch einige Kilometer weiter verdichteten sich die Siedlungen zu Dörfern und bald hatten wir die Nordküste erreicht. Hier strömten unzählige Touristen ein, die die paradiesischen Strände des Tasman Nationalparks sehen wollten.

Mit Motorbooten wurde man zu den Buchten gebracht. Von da wanderten wir über Fusspfade der Küste entlang durch Wälder die ihre Vegetation stets änderten, je nach Ausrichtung und Höhe des Hanges an dem sie standen. Jede neue Bucht in die wir eintrafen, hatte ihren eigen Strand von gelb orangenem Sand, das Wasser, türkisklar und frisch.

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