Zeitlos

Neujahr 2020, Anjouan, Komoren

Fernab der Lichter der modernen Welt auf einer bedeutungslosen Insel im Indischen Ozean entblössen dunkle Wolken das masslose Universum als opulentes Chaos einer rätselhaften Ordnung, deren zahlloser, silbern glitzernden Objekte die Wirkung ihrer Existenz nicht verraten. Ampeln die im Leuchtfeuer der Zivilisation verblassen. Gravitaionskräfte die den Lauf der Zeit bestimmen, deren Bestanteil wir sind, während unsere Erde ihre Bahnen läuft, wie sie gerade einmal mehr den selben Meridian eines Gestirnes passierten hat. Die Perspektive der Einfalt auf dieses Firmament lässt dieses Ereignis unbedeutend erscheinen, diesen Ort und die Geschichte unbedeutend erscheinen. Ein Haus am Ende des Dorfes Mrijou, mit einem Garten, der wieder gepflegt und grün ist und ich der auf einer dünnen Matte liegt, neben mir Razkinat die sich mit ihrem dünnen Shiromani zugedeckt hält und schläft.

Nach dem Jahreswechsel sind wir nochmals alleine hierher gekommen. Halima ist vor einigen Tagen nach Patsy in die Unterkunft zurück, die Razkinat noch immer für ein paar Euro mietete. An Silvester hatten ich alle Freunde eingeladen und so waren wir eine schöne Gesellschaft. Zusammen hatten wir gegessen und getrunken. Sonderbarerweise verschwand aber bis Mitternacht ein Gast nach dem Anderen. Leicht torkelnd verabschiedete sich als letzter Hamsa, er hatte heimlich meine letzte Flasche Wein geleert. Die einzige die blieb, war Razkinat.

Noch einmal hatte ich meinen Land Rover reparieren können, doch die Lichtmaschine funktioniert nicht mehr richtig. Weshalb ich die Batterie jetzt vorsorglich immer lade, wenn ich das Auto abstelle. Ich werde es noch brauchen, wenn ich umziehen muss. Und die Zeit drängt, der Umzug muss bald geschehen. Einige hundert Meter von Sos habe ich einen Rohbau entdeckt, der von Bäumen umgeben ist. Ein Gebäude mit vier Zimmern, jedes von einer Veranda aus einzeln begehbar und eine Küche. Ich versuchte nun, Razkinat und einige ihrer Freunde zu überzeugen, dass dies eine optimale Unterkunft sei, eine Gelegenheit für sie günstig zu wohnen und für mich meine Habe unter zu bringen. Sie fürchteten sich jedoch, abseits vom Dorf zu leben, zwischen zwei Ortschaften platziert zu sein. Ich erkundigte mich dennoch nach dem Besitzer und traf dessen Neffen. Seine Tante lebte in Frankreich.

Ich musste mich nun endlich von Assiat trennen, weil ich ihr den Lohn nicht mehr zahlen konnte. Zum Abschied schenkte ich ihr einige Kleider und die Velos der Kinder. Danach fehlte auch mein eigenes Velo und als ich Assiat später danach frage, war dieses nicht mehr auffindbar.

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