Firmengründung

28. August 2019

Wo beginnt man mit Erkundigungen, wenn man etwas tun will, wovon man keine Ahnung hat, zum Beispiel eine Firma gründen, an einem Ort wo selbst Ortskundige nicht wissen, wie das Sytstem funktioniert, wenn ein solches überhaupt bestehen sollte, mindestens aber einer Aufsicht, ob reguliert oder spontan, unterliegt. 

Nachdem ich meinen Businessplan säuberlich ausgeschafft hatte, entschied ich oder besser begnügte ich mich mit der profanen Strategie des Abwartens, diesem und jenem von meinen Ideen zu erzählen, bis Jemand mir einen entscheidenden Hinweis gäbe. Ich händigte verschiedenen Leuten mein Dokument aus und stiess allerseits auf gutes Echo und Ratschläge, wie man es anpacken und wie man ihre Beziehungen spielen lassen könnte.

Sos liess mich denn auch nicht ruhen und stellte mich mit dem wichtigsten Notabel von Ouani vor, dass ich ihm mein Projekt erkläre. Das sind die einflussreichen älteren Herren, die verschiedene wichtige Vorstandsposten besetzen, manchmal Imane, oft Politiker und Beamte, die ihre Zeit damit verbringen, an allen möglichen Anlässen ihr Aufgebot zu machen. Man trifft sie dort oder an einem dieser zahlreichen Ecken und Plätze, wo sich die Männer dem Spiel frönen. Dies der Grund weshalb es einige Anläufe brauchte, um den Mann endlich zu treffen.

M. Hamsa plauderte freundlich von Vereinen, Ideen und wie mein Projekt mit ihnen funktionieren könnte und nannte uns einen Namen, Präsident eines Vereins, Sekretär des Gouvernements. Abdulhamid in einem sonderbaren Sportkostüm, das so wenig zu einem einem Sportler gepasst hätte, wie zu seiner eigenen vom Leben gezeichneten Erscheinung, schwatzte ebenfalls gerne.

Als er uns entliess, war ich froh, dass mich niemand nach einem Resümee fragte. Ich sinnierte, dass solche Treffen doch viel angenehmer wären, wären sie begleitet von einem kleinen Imbiss oder auch nur einem Kaffee. Sei es aus eigenen bescheidenen Bedürfnissen oder Ideenlosigkeit, gute Gastgeber sind die Komorer bestimmt nicht.

Unterdessen arbeitete ich mit Ibraim zusammen. Ibraim ist Christ, gebildet und froh eine Arbeit in Aussicht gestellt zu bekommen. Ich mietete ein Büro in Ouani, weil ich einsehen musste, dass die Arbeit von Zuhause aus ungünstig war.

Aus den zwei letzten Bekanntschaften schloss ich, dass mir die Zusammenarbeit mit zahlreichen, bestimmt wichtigen Vereinen und Organisationen zu langweilig wäre. Kurze Zeit später organisierte Marwane für mich ein Rendezvous bei der Handelskammer.

Das Büro des Präsidenten war klimatisiert und auffällig gut ausgestattet. Ausser dem Präsidenten, war noch seine Rechte Hand und der Direktor für Bildungsfragen anwesend. Ich erklärte mein Vorhaben und das Komitee ihre Rolle und wie man zusammen an einer Zertifizierung schaffen müsse. Die Technische Schule, jeher wenig attraktiv als Studienplatz und dazu ungenügendem Personal und Programm, könnte die nötige Infrastruktur bieten.

Ich besuchte also mit Ibraim den Direktor der Schule. In langen Baracken sind Unterrichtsräume und Werkstätten untergebracht, die sich beidseitig der Korridors nach dem Büro der Schulleitung am anderen Ende des Areals hin befinden, gesäumt von Mangobäumen. In der Baracke rechts wird unsere Werkstatt sein. Eine Werkbank, eine alte Kreissäge ist das ganze Mobiliar.

Unsere Werkstatt wird als Firma gegründet, als S.A.R.L., nachdem ich eine Woche lang alle nötigen Unterlagen gesammelt hatte.

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