Saison der Zitrusfrüchte

7. Juli 2019

Verärgert sass ich auf der Ladebrücke des Pickups und lamentierte die ganze Spiessrutenfahrt lang durch alle Vororte von Mutsamudu und von dort die enge Serpentiene hinauf zur Gendarmerie, gegen die fünf Polizisten, die mich umringten.

Ich war auf dem Nachhauseweg nach einem Basketballspiel, müde und auf der Rückbank des Taxis eingezwängt, als dieses beim Aufstieg nach Patsy, durch eine der häufigen Polizeikontrollen gestoppt wurde. Statt sich aber der Beamte beim Chauffeur nach den Papieren erkundigte, steuerte er mit seinem neugierigen Grinsen direkt auf mich zu. Eine Geste die jeder weisse Europäer hier bestens kennt und nicht immer gleich gut erträgt. Die dicke Luft im vollgestopften Auto, wurde noch dicker, als das Grinsen begann, mich auszufragen. Der Polzist wunderte sich, dass ich seine Höflichkeit wenig estimierte und wollte meine Papiere sehen, welche ich selbstverständlich nicht dabei hatte. Er befahl mir auszusteigen, wozu ich jetzt ebenfalls grosse Lust verspührte. Genervt von der Fragerei, machte ich Anstalten meinen Weg zu Fuss fortzusetzen, was gar nicht im Sinn des Ordnungshüters war und um seine Entschlossenheit zu beweisen, sprangen mich vier seiner Kollegen an und das kurze Gemenge das entstand, wobei ich mich den Übergriffen, nicht der Order wehrte, endetet damit, dass jeder der etwas fassen konnte, mich in irgendeine Richtung zerrte.

Auf dem Polizeiposten angekommen, sprang ich wie meine Beschützer von der Ladebrücke, was ein übereifriger Aufpasser fehl intepretierte und sich auf mich stürzte. Ich schüttelte ihn wütend über den erneuten Angriff ab.

Ein Mann in Trainerhosen wandte sich mir zu, der Offizier. Während ich hinter ihm die Treppe zum Büro hochstieg, dachte ich über den Vorteil meiner Köpergrösse nach. Ich verlangte nach einem Telefon, er dass ich absässe, ich, dass ich dieses nicht tun werde, bis ich das Telefongespräch erlaubt bekäme, worauf er mir die Leviten las und ich mich aus Langeweile setzte. Nachdem einem ausführlichen Monolog über seinen beruflichen Werdegang, bürgerliche Pflichten und illegale Ausländer, gewährte er mir endlich den Anruf, das heisst, da er sich in seine Rolle als Redner gerade gefiel, diesen gleich selber tätigte. Als Farida antwortete, leitete er genüsslich mit einer ordentlichen Befragung ein, ehe er nach seinem Frage-Antwortspiel erklärte, was Sache ist. Nämlich dass jemand mit meinen Papieren vorbeigeschickt werden soll, damit ich den Posten wieder verlassen dürfte.

Sos betrat das Büro. Der Offizier warf einen Blick auf die Papiere, wiederholte seine vorherige Rede, versprach mir Fraternität und sollte ich je in Schwierigkeiten sein, auf ihn zählen konnte. Wir fuhren nach Hause.

Mimis letzter Streich hatte einer unserer Schildkröten böse zugesetzt. Schnell war der Entschluss gefasst. Mit vereinten Kräften und sinkendem Mut packten wir den armen, sich wild wehrenden und winselnden Hund in einen grossen Sack und luden ihn in den Land Rover. Wir fuhren die Passstrasse hoch, auf der anderen Seite runter, ladeten das Bündel aus und warteten bis sich Mimi aus seiner Einzwängung befreit hatte. Andächtig machten wir uns wieder auf den Heimweg, wortlos stierte ein jeder vor sich hin.

Bei Jo tummeln sich ein halbes Dutzend junge Hunde. Wir suchten uns das schönste Exemplar und packten es, wie vorzumal die unglückliche Mimi, in einen Sack, vobei hier die Bemerkung angebracht scheint, dass es vor allem Faridas Mut und Tatkraft verdankt war, dass das schwierige Unterfangen gelang. Wir tauften sie Habibi.

Wir haben uns, wegen verschiedener Gründe das Momentum unserer Ankunft nutzend, von Assiette getrennt, nicht ohne dabei festzustellen, wie man sich gegenseitig ans Herz gewachsen ist. So wich der Ärger über Versäumnisse hier und Ungerechtigkeit dort, Gefühlen der Reue, zumal unsere neue Hilfe Mariam freundlicher war, als dass sie ihr Handwerk gut verstand.

Das Boot ist wieder in Ouani. Dort liegt es nun, neben, manchmal unter oder über, vielen anderen farbigen Booten und dient mehr als Tummelplatz für Geissen, als für den Fischfang. Salo der Fischer redet gerne vom Fischen, ohne tatsächlich Lust zu verspüren, auf das Meer hinaus zu fahren.

Ich begann die Fäden für das Schreinerprojekt zu ziehen. Den richtigen Partner hier zu finden, kein einfaches Unterfangen angesichts der Unverbindlichkeit und multiplen Alltagsbeschäfigungen des Leute hier, einzuschätzen wie Zuverlässig und tatsächlich überzeugt jemand ist.

Unterdessen plante ich zum Unterhalt meines Handwerksgeschicks den Neubau unserer Garage/ Ateliers. Hierzu erstand ich eine Palme, die Sola zu Holzbalken verarbeitete.

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